Keine gewöhnliche Pflanze, der Fingerhut

Stolz und erhaben präsentiert er sich, Seite an Seite mit den großen Baumbrüdern - beinahe so, als wolle er mit deren Größe wetteifern. Natürlich kommt er mit seinen bis zu 2 Metern nicht ganz an Eiche & Co. heran, aber unter den Wildkräutern ist er dafür einer der ganz großen! Aber er fühlt sich nicht nur im lichten Wald wohl, der elegante Fingerhut, auch an weniger erhabenen Plätzen, wie z. B. an Kahlschlägen im Gebirge, leuchtet er uns in weiß, cremegelb, gelb und rotviolett entgegen!

 

Im ersten Jahr wächst eine stattliche Grundblattrosette, welchem dann im zweiten Jahr ein langer Stängel entwächst. Den Abschluss dieses Stängels bilden eine Vielzahl wunderschöner Blüten, die durch ihre auffälligen Punkte auf der Innenseite geradezu ins Auge stechen. Diese Punkte wirken auf Insekten tatsächlich anziehend. Sieh her, schau mich an - so scheint der Fingerhut zu rufen.

Aber nicht jeder ist willkommen: die spezielle, längliche Form der Blüten - Rachenblume genannt - kann meist nur von der Hummel angeflogen werden. Kleineren Insekten wird nämlich durch die am Eingang hochstehenden Sperrhaare der Zutritt verwehrt.

 

Interessant ist, dass der Fingerhut früher in der Volksheilkunde eher selten verwendet wurde. Erst vor rund 250 Jahren begann man mit der Pflanze zu experimentieren und entdeckte, dass diese u. a. herzwirksame Substanzen enthält. Da der Fingerhut giftig ist wurde er schon immer mit Respekt und Vorsicht genutzt - da bietet sich der Einsatz mittels Homöopathie geradezu an. Der Fingerhut (Digitalis) ist mittlerweile eines der bekanntesten homöopathischen Mittel. Aber nicht nur hier sondern auch in der Schulmedizin werden Produkte mit dem Inhaltsstoff des Fingerhuts verwendet. Es treten jedoch vermehrt Hinweise auf, dass eine dauerhafte Nutzung des Medikaments die Lebensdauer verkürzen soll. Erst war ich erstaunt, als ich diese Nachricht las. Aber dann kam mir folgender Gedanke: ich sehe die Pflanzen als Impulsgeber, egal ob für körperliche oder emotionale Befindlichkeiten. Gegebenenfalls verwende ich eine oder mehrere Pflanzen als Kur, jedoch nie länger als 6 Monate.

 

Ich denke, dass man keine Pflanze dauerhaft einnehmen sollte. Irgendwann tritt entweder ein ›Gewöhnungseffekt‹ ein und die Wirkung geht deutlich zurück oder es kann bei Überdosierung zu Vergiftungserscheinungen kommen. 

Mittlerweile spricht man selbst in der Schulmedizin davon ›Selbstheilungskräfte zu aktivieren‹.  Die Impulse kommen durch die wundervollen Kräfte der Heilpflanzen, aber die Heilung passiert in uns. Wir dürfen unserem Körper und unserer Psyche (wieder) etwas zutrauen!

 

Sieh her, schau mich an! Wenn Sie bei einem Ihrer Spaziergänge - oder in Ihrem Garten - den Fingerhut sehen halten Sie einen Moment inne, betrachten Sie ihn, seine faszinierende Blütenform und -farbe. Und Sie werden merken: in diesem Moment hat er Ihnen Freude, Achtsamkeit und eine kleine Auszeit geschenkt - auch das ist Balsam für unser Herz!