Johanniskraut, das Lichtkraut

Das Johanniskraut ist eine der Pflanzen, die mich immer wieder auf’s Neue begeistert! Denn dieses geschichtsträchtige Kraut zeigt mir, so lange ich es kenne, stets neue Aspekte.

 

Als ich vor über 10 Jahren eine Wildkräuterausbildung machte war mir sofort klar, dass das Johanniskraut eine ganz besondere Heilpflanze ist. Ein Hauch von Magie umhüllte es - ja, sogar etwas Geheimnisvolles. Im Laufe der darauffolgenden Jahre lernte ich zwischen Genusskräutern und Heilkräutern zu unterscheiden.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: jedes Kraut, dass sich gut zum Würzen in der Küche eignet, besitzt gleichzeitig auch Heilwirkung - und umgekehrt. Aber ich stellte fest, dass mich gewisse Kräuter mehr zum ›Naschen‹ verleiten als andere. Und beim Johanniskraut merkte ich schnell, dass ich es am Liebsten als Heilkraut verwende, und zwar als Ölauszug. Dieses ›Rotöl‹ ist ein gängiger Begriff. Und mittlerweile stellen immer mehr Pflanzenfreunde ihr eigenes Rotöl her.

 

In meiner Wildkräuterausbildung hatte ich gelernt, dass das Rotöl unter anderem bei Muskelschmerzen und -zerrungen, Geschwüren, Ekzemen, Wunden und Sonnenbrand verwendet wird. Später lernte ich, dass die Einnahme von Johanniskraut, z. B. als Tee, bei hautempfindlichen Menschen Sonnenbrand verursachen kann. Der Grund ist das im Johanniskraut enthaltene Hypericin, welches die Empfindlichkeit gegenüber dem UV-Licht erhöht. Spannend, nicht?! Innerlich eingenommen kann Johanniskraut Sonnenbrand verursachen. Äußerlich verwendet lindert es Sonnenbrand und auch andere Formen von Verbrennungen.

 

Über das Johanniskraut werden viele Geschichten berichtet, denn es war bereits im alten Europa fester Bestandteil der sakralen Kultur. Bei den Germanen war es Baldur, Gott der Sonne und des Lichts, geweiht. Als Sonnenwendkraut war es ein besonders heiliges und verehrtes Kraut. Im späteren Christentum wurde dem Johanniskraut nachgesagt, dass es den Teufel verjagen könne. Der austretende Saft wurde deshalb Hergottsblut genannt. Das Kraut selbst war unter anderem unter Jageteufel oder Teufelsflucht bekannt.

 

Eine besonders schöne Geschichte, die mich tief berührt, ist diese: Wie das Johanniskraut zu seinem roten Saft kam! In der Zeit, als im Johanniskraut noch kein rotes Blut floss, ging ein Jäger in den Wald um zu jagen. Er versteckte sich hinter einem Baum und wartete. Da trat ein großer Hirsch auf die Lichtung. Der Järger zog einen Pfeil aus seinem Köcher und schoss. Aber der Schuss verfehlte das Tier. Der Pfeil traf jedoch eine Elfe, die in die Lüfte floh. Aus ihrem Bein tropfte Blut. Dieses Blut fiel auf leuchtend gelbe Blüten, die unter dem Baum wuchsen. Seit dieser Zeit fließt das rote Elfenblut im Johanniskraut und heilt Menschen und Tiere. 

 

Das Elfenblutkraut, wie das Johanniskraut eben auch genannt wird, ist wahrlich eines unserer stärksten Heilkräuter. Und ich vermute auch eines der Kräuter, welches mit am häufigsten für Ölauszüge verwendet wird. Deshalb werde ich immer wieder gefragt, ob man das Johanniskraut in Öl eingelegt direkt ins Licht stellen soll oder nicht, oder ob man gar den Auszug im Dunkeln bzw. in dunklen Flaschen ziehen lassen soll.

Meiner Meinung nach gibt es hier zwei Aspekte: wissenschaftlich gesehen müsste man den Ölauszug ins Dunkle stellen, da durch die direkte Sonneneinstrahlung Inhaltsstoffe des Johanniskrauts zerstört werden. Ich kenne jedoch viele Menschen - mich miteingeschlossen -, die das Johanniskraut als Licht- und Sonnenwendpflanze nicht ins Dunkel stellen möchten, und es demnach auf die Fensterbank oder sogar direkt ins Sonnenlicht stellen. Auch diese Pflanzenauszüge haben sich als heil- und wirksam erwiesen.

 

Es ist ein immer währendes Lernen, Ausprobieren, sich Erfreuen an unseren heimischen Heilpflanzen - wie reich sind wir doch, wenn wir uns auf das Grüne Volk einlassen können!