Der Ingwer ist sehr warm und ausgedehnt, das heißt zerfließlich, und sein Genuß schadet einem gesunden und fetten Menschen, weil er ihn unwissend und unkundig und matt und zügellos macht. Aber wer in seinem Körper trocken ist und schon fast stirbt, der pulverisiere Ingwer und nehme nüchtern dieses Pulver mäßig in Suppen und esse bisweilen mäßig mit Brot, und es wird ihm besser. Aber sobald es ihm besser geht, esse er es nicht mehr, damit er davon nicht Schaden nimmt. Und wer geschwürige, das heißt schwärige, und trübe Augen hat, der pulverisiere Ingwer und binde dieses Pulver in ein Tuch und lege es in Wein, damit der Wein davon dunkel, das heißt 'zangere' wird, und nachts, wenn er schlafen geht, streiche er um die Augenlider und Augen von diesem Wein. Und wenn ein wenig davon in die Augen gelangt, wird es nicht schaden. Und so nimmt es Eiter und Trübung von den Augen weg. Denn solange der Mensch den Gesichtssinn hat, kann er seinen Augen auf diese Weise helfen. Nachdem er aber den Gesichtsinn verloren hat, kann er den Augen auf diese Weise nicht nutzen. Und wem die Augen sich trüben, der nehme Saft von Raute und von Ysop in gleicher Menge und füge dem dreimal soviel vom vorgenannten Wein bei und gieße das in ein ehernes Gefäß, damit es in ihm seine Kraft behält. Und abends, wenn er schlafen geht, umstreiche er außen die Augen und die Lider damit. Und wenn er die Augen inwendig ein wenig berührt, wird er sie nicht schädigen. Und dies tue er oft, und es wird die Verdunklung der Augen vertreiben. Aber auch wer unter Verstopfung im Magen und im Bauch leidet, der pulverisiere Ingwer und mische dieses Pulver mit ein wenig Saft von Ochsenzunge. Und aus diesem Pulver und Bohnenmehl mache er Törtchen, und er backe sie in einem Ofen, dessen Feuerhitze etwas nachgelassen hat. Und so esse er diese Törtchen oft nach dem Essen und nüchtern, und es mindert den Unrat des Magens und stärkt den Menschen. Ebenso pulverisiere ein Mensch, der im Magen irgendwelchen Schmerz leidet, Ingwer und zweimal soviel Galgant und halb soviel Zitwer. Und nach dem Essen schütte er dieses Pulver in Wein, und so trinke er es, auch abends, wenn er schlafen geht. Und so mache er es oft, und im Magen wird es ihm besser gehen. Und wenn jemand einen Flechtenausschlag an seinem Körper hat, der lege von dem vorgenannten in ein Tuch gebundenen Pulver in Essig und füge ein wenig Wein bei, wenn er hat, damit er nicht zu scharf wird, und bestreiche die Haut mit einem Tuch und dem Pulver an der Stelle, wo der Flechtenausschlag ist, und er wird geheilt werden.
aus Physica - Heilkraft der Natur, Basler Hildegard Gesellschaft/Pattloch Verlag